Wenn die 35. International Joint Conference on Artificial Intelligence, kurz IJCAI, vom 15. bis 21. August 2026 nach Bremen kommt, trifft sie auf einen Standort, der KI-Forschung und Anwendung eng verbindet. Besonders deutlich zeigt sich das in der maritimen Wirtschaft.
Hafenwirtschaft und Logistik gelten als Rückgrat der Wirtschaft in Bremen und Bremerhaven: Rund 1.800 Unternehmen, 41.000 direkt Beschäftigte und ein Jahresumsatz von etwa acht Milliarden Euro machen die Branche zu einem zentralen Feld für Digitalisierung, Automatisierung und KI. Themen der IJCAI-ECAI wie Human-Centered AI, AI and Robotics, AI4Tech und AI and Social Good haben hier einen konkreten Bezug: zu intelligenten Infrastrukturen, autonomen Systemen, resilienten Logistikketten und sicheren Mensch-Technik-Schnittstellen.
Smartport-Strategie: Gemeinsamer Rahmen für den Hafen der Zukunft
Den strategischen Rahmen dafür setzt die 2024 verabschiedete Smartport-Strategie der Bremischen Häfen. Sie beschreibt den Weg zum intelligenten, vernetzten und nachhaltigen Hafen. Erarbeitet wurde sie unter Koordination von bremenports in einem Beteiligungsprozess mit mehr als 70 Unternehmen und Organisationen aus Hafenwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und weiteren Bereichen. Die Umsetzung erfolgt forschungsseitig über zwei zentrale Säulen: das Smartport Living Lab, das als Forschungsinfrastruktur aufgebaut wird, sowie die DATIpilot-Innovationscommunity „Smartport Transfer“ (SPorT), in der Wissenschaft und Praxis gemeinsam an konkreten Anwendungen arbeiten.
Matthias Hinz, Smartport-Koordinator bei bremenports, dazu: „Die Smartport Initiative gibt den Bremischen Häfen einen gemeinsamen Rahmen für Digitale Transformation, Nachhaltigkeit und Resilienz. In Zusammenarbeit mit der Wissenschaft entstehen dabei konkrete Lösungen für die Hafenpraxis. Besonders stolz sind wir auf den gelebten Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, beispielsweise über unsere DATIpilot Innovationscommunity SPorT und das Smartport Living Lab. Diese helfen, KI, Robotik und autonome Systeme realitätsnah zu erproben und ihren Mehrwert für sichere, effiziente und zukunftsfähige Hafenprozesse sichtbar zu machen und auf die Ziele unserer Smartport-Strategie einzuzahlen.“
Smartport Living Lab: Reallabor für KI, Robotik und autonome Systeme
Wie lassen sich KI und autonome Systeme so entwickeln, dass sie den Anforderungen der Hafenpraxis gerecht werden? Genau hier setzt das Smartport Living Lab an. Das Smartport Living Lab stellt die technische Infrastruktur bereit, um neue digitale Technologien in den Bremischen Häfen unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben. Ziel ist es, Test- und Entwicklungsumgebungen zu schaffen, die künftige Forschungs- und Transferaktivitäten im Hafenumfeld ermöglichen.
Beteiligt sind das BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das DLR-Institut für den Schutz maritimer Infrastrukturen (DLR-MI), das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik sowie TOPAS Industriemathematik Innovation. Die Partner bauen dezentrale Reallabore auf, in denen Demonstratoren zu Luft, Wasser und Land entstehen. Das Projekt läuft von 2025 bis Ende 2029 und wird mit bis zu 2,77 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und Landesmitteln gefördert.
Das DFKI realisiert im Rahmen des Smartport Living Lab eine Leitstandsplattform für den maritimen Hafenbetrieb. Diese verknüpft digitale Zwillinge, sichere Logistikprozesse, resiliente IT-Infrastrukturen sowie robotische und drohnenbasierte Systeme zu einem integrierten Lagebild. So können Prozesse im virtuellen Smartport überwacht, simuliert und visualisiert werden. Ziel ist es, eine technische Basis zu schaffen, die die sichere und nachvollziehbare Einbindung KI-gestützter Systeme in komplexe Hafeninfrastrukturen ermöglicht.
„Die maritime Wirtschaft steht vor der Herausforderung, immer komplexere Prozesse gleichzeitig sicher, effizient und resilient betreiben zu müssen – von Hafenlogistik über Offshore-Infrastrukturen bis hin zu autonomen Systemen auf und unter Wasser. Mit dem Reallabor ‚Maritimer Leitstand‘ schaffen wir die Möglichkeit, moderne KI-Verfahren gemeinsam mit Industrie und Forschung praxisnah in maritime Anwendungen zu integrieren und unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben. Gerade für den Innovationsstandort Norddeutschland ist es entscheidend, dass Künstliche Intelligenz schneller ihren Weg aus der Forschung in konkrete maritime Technologien und betriebliche Prozesse findet“, erläutert Dr. Leif Christensen, Teamleiter Maritime Robotik am DFKI.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf autonomen Systemen im Hafen. TOPAS baut hierfür ein Testfeld auf, in dem Demonstratoren für Shuttlebusse, Schiffe und Drohnen unter realitätsnahen Bedingungen erprobt werden können. Das DLR-MI ergänzt modulare Sensorplattformen, die sich in solche Systeme integrieren lassen. Sie sollen helfen, die Umgebung zu erfassen, Risiken besser einzuschätzen und maritime Infrastrukturen sicherer zu machen.
Dr.-Ing. Mitja Echim, CEO TOPAS Industriemathematik, sieht im Smartport Living Lab darum eine Schlüsselrolle: „Autonome Systeme schaffen im Hafen nur dann Mehrwert, wenn sie sicher, nachvollziehbar und zuverlässig in bestehende Abläufe eingebunden werden. Genau dafür bietet das Smartport Living Lab realitätsnahe Testumgebungen, in denen neue Lösungen Schritt für Schritt vom Demonstrator in die Anwendung wachsen können.“
Transfer braucht Kooperation
Die im Smartport Living Lab geschaffenen Strukturen bilden die Grundlage für konkrete Transferprojekte, die im Rahmen der SPorT-Innovationscommunity umgesetzt werden. Diese bringt Akteure aus Forschung, Wirtschaft und Hafenpraxis zusammen, um gemeinsam innovative Lösungen für die Bremischen Häfen zu entwickeln. Im Fokus stehen Menschzentrierung, Koopetition und Resilienz als zentrale Leitprinzipien. SPorT wird im Rahmen von DATIpilot, der Förderrichtlinie des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt zur Stärkung von Transfer und Innovationsnetzwerken, gefördert. Dafür stehen bis 2028 bis zu 3,5 Millionen Euro zur Verfügung.
Ein Beispiel ist das Projekt SharePort. Es soll die Bremischen Häfen widerstandsfähiger machen, indem Hafenakteure freie Ressourcen kurzfristig miteinander teilen können. BIBA, DFKI, DLR und die Hochschule Bremerhaven entwickeln hierfür Sicherheitsmodelle, die regeln, welche Informationen und Handlungsmöglichkeiten Akteure auf Basis ihrer Vertrauensbeziehungen erhalten.
Dass maritime KI in Bremen über die Hafenlogistik hinausgeht, zeigt das vom DFKI geleitete SPorT-Projekt UWS. Gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern wird ein robotergestütztes Unterwasserschweißverfahren unter realitätsnahen Bedingungen im Hafen erprobt und weiterentwickelt. Das System ist in dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekt MARIOW (Maritime AI-Guided & Remote Operated Welding) entstanden und soll Taucher:innen künftig bei risikoreichen Instandhaltungsarbeiten an Hafenanlagen, Offshore-Strukturen und anderen metallischen Bauwerken unterstützen.
Alle Beispiele zeigen: In Bremen und Bremerhaven wird KI dort entwickelt und erprobt, wo sie konkrete Wirkung entfalten soll: in realen Prozessen, in sicherheitsrelevanten Infrastrukturen und gemeinsam mit den Akteuren der Hafenwirtschaft. Kurze Wege und starke Kooperation sorgen dafür, dass Forschung, Technologieentwicklung und Transfer früh zusammenfinden. Wenn im August 2026 die internationale KI-Community zur IJCAI-ECAI nach Bremen kommt, trifft sie auf einen Standort, der genau diese Verbindung stark macht.
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Local Press Office der IJCAI-ECAI 2026
Das Local Press Office der IJCAI-ECAI 2026 bündelt die Pressearbeit rund um die Konferenz in Bremen. Es wird getragen von der U Bremen Research Alliance, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Gesellschaft für Informatik e. V. (GI) sowie den Publicity Chairs Prof. Dr. Ralf Möller (Universität Hamburg, Gesellschaft für Informatik) und Prof. Dr. Rolf Drechsler (Universität Bremen, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz).
Als zentrale Anlaufstelle für Medien begleitet das Press Office die IJCAI-ECAI 2026 kommunikativ und steht Medienvertreter:innen aus Bremen und ganz Deutschland ab sofort und während der Konferenz für Anfragen zur Verfügung.
E-Mail für Anfragen:press@2026.ijcai.org
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