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KI in der Arbeitswelt: Wie KI-Assistenz berufliche Teilhabe stärken kann

| Lernen & Bildung | Educational Technology Lab | Berlin

Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt „KI-Kompass Inklusiv“ zieht nach vier Jahren Zwischenbilanz. Bei einer Fachtagung am 29. September 2026 in Berlin diskutierten rund 130 Teilnehmende, wie KI-gestützte Assistenztechnologien Barrieren im Arbeitsleben abbauen können.

© KI-Kompass Inklusiv

Wo kann Künstliche Intelligenz Barrieren im Arbeitsleben abbauen und die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen fördern? Und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit aus technischen Möglichkeiten tatsächlich praxistaugliche, hilfreiche Lösungen werden? Darüber haben am Dienstag, den 29. September 2026 rund 130 Menschen mit Behinderungen und ihre Vertretungen, Fach- und Führungspersonen aus der beruflichen Rehabilitation, aus Unternehmen sowie aus der Arbeits- und KI-Forschung bei der Fachtagung des Verbundprojekts KI-Kompass Inklusiv in Berlin diskutiert. Unter dem Motto „Gegenwart und Zukunft der KI-Assistenz zur Förderung der beruflichen Teilhabe“ standen zentrale Erkenntnisse aus der Forschungs- und Projektarbeit im Mittelpunkt.

Vier Jahre KI-Kompass Inklusiv: Erkenntnisse aus Forschung und Praxis

Eröffnet wurde die Fachtagung von Prof. Dr. Niels Pinkwart vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Humboldt-Universität zu Berlin sowie von Staatssekretärin Leonie Gebers vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Seit dem Projektstart wurde ein Kompetenzzentrum für KI-gestützte Assistenztechnologien und Inklusion im Arbeitsleben aufgebaut. Die zentralen Arbeiten bestehen aus einem Technologie-Monitoring, aus umfangreichen Informations- und Beratungsangeboten zum KI-Einsatz und aus der Erforschung und Erprobung von KI-Assistenz in Praxislaboren. Die Fachtagung bot Gelegenheit, die bisherigen Erkenntnisse zusammenzuführen und eine Zwischenbilanz zu ziehen: „Wir haben jetzt vier Jahre hinter uns und haben viele Projektergebnisse vorzuweisen, wollen aber auch Input holen.“, sagte Verbundleiter Prof. Pinkwart und hob dabei die besondere Rolle des Begleitgremiums des Projekts hervor: Seine Mitglieder bringen als Expert:innen in eigener Sache ihre Perspektiven in die Projektarbeit ein.
Dieses Thema der Partizipation, Mitgestaltung und Mitbestimmung von Menschen mit Behinderungen zog sich durch die gesamte Tagung. Staatssekretärin Gebers stimmte ein: „Die digitale Transformation ist nicht per se gut, aber auch nicht per se schlecht. Es liegt an uns, sie so zu gestalten, dass alle davon profitieren.“
Prof. Dr. Klaus Miesenberger von der Johannes Kepler Universität Linz betonte in seinem Fachvortrag zu nutzer:innenzentrierter Forschung und Entwicklung von KI-Assistenz: „Unsere Forschung macht keinen Sinn, wenn nicht Menschen mit Behinderungen selbst dabei teilnehmen, einen aktiven Beitrag leisten.“ Im zweiten Fachvortrag „KI, Regulierung und Inklusion – rechtlicher Status quo und aktuelle Debatten“ hob Prof. Dr. Hannah Ruschemeier (Universität Osnabrück) die große Bedeutung des Datenschutzes hervor: „Das ganz Wichtige ist, dass der Datenschutz natürlich auch Menschen schützt und nicht Daten. Datenschutz ist in erster Linie Grundrechtsschutzinstrument und natürlich deswegen auch für Menschen mit Behinderung sehr wichtig.“
Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden in drei Themeninseln bei Poster-Ausstellungen und Ideen-Werkstätten über KI-Technologien in Forschung und Entwicklung, ihren Einsatz in Beratung und Kompetenzförderung sowie ihre Anwendung im Arbeitsleben.

Zwischen Assistenz und Automatisierung: Wie wollen wir künftig mit KI arbeiten?

Zum Abschluss richtete die Fachtagung den Blick auf die zukünftige Arbeitswelt. Unter dem Titel „Mensch, Maschine, Mitbestimmung: KI zwischen Assistenz und Automatisierung“ diskutierten die Teilnehmenden, welche Rolle KI künftig in der Arbeitswelt spielen kann und wie sich technologische Innovation, berufliche Teilhabe und die Interessen der Beschäftigten miteinander verbinden lassen. Im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion standen unter anderem Fragen nach einer inklusiven Entwicklung von KI-Technologien, dem Einsatz von KI in Unternehmen und der Mitbestimmung von Menschen mit Behinderungen im Lebenszyklus von KI-Technologien. Deutlich wurde erneut die zentrale Rolle der Partizipation von Menschen mit Behinderungen sowohl bereits in der Forschung und Entwicklung als auch direkt in den Unternehmen. Dort kann die Einführung von KI-Assistenztechnologien beispielsweise über Inklusionsvereinbarungen unterstützt werden. Gleichwohl betonte Podiumsgast Hakam Calim, Entwickler und Experte in eigener Sache von der FAU Erlangen-Nürnberg: „Man sollte sich bewusst machen: Die KI kann helfen, aber nur zu einem begrenzten Teil. Und diesen begrenzten Teil sollte man sich bewusst machen und versuchen auszunutzen.“

Der Blick nach vorne

Die Erkenntnisse der Fachtagung fließen in die weitere Arbeit von „KI-Kompass Inklusiv“ ein. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt läuft bis 2027 und wird vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke (BV BFW), der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) umgesetzt. 

Weitere Informationen: 

Website KI-Kompass Inklusiv