Softwaregestützte Gefährdungsbeurteilung für die sichere Mensch-Maschine-Interaktion – BaSys-Satellitenprojekt BaSySafe gestartet

In der industriellen Fertigung ergeben sich aus dem Betrieb von Maschinen Risiken und Gefährdungen. Damit die Arbeitssicherheit gewährleistet ist, sind Hersteller und Betreiber von Anlagen gesetzlich dazu verpflichtet, eine Risiko- und Gefährdungsbeurteilung (GBU) zu erstellen. In einer wandelbaren Produktion, in der integrierte Fertigungssysteme ständig verändert werden, Systemkomponenten neu konfiguriert oder umgestellt werden, entstehen ganz neue Herausforderungen, aus denen sich Pflichten zur Einhaltung der Sicherheit ableiten. Wie relevant die Thematik ist, zeigt sich u.a. an dem im April 2021 erschienen Vorschlag für eine neue EU-Maschinenverordnung. BaSySafe adressiert die für die GBU spezifischen Herausforderungen in der wandelbaren Produktion.

Das Projekt zielt darauf, die von BaSys 4.0 zur Verfügung gestellte Referenzimplementierung um einen ganzheitlichen Ansatz zur Integration und Pflege sicherheitsrelevanter Informationen in der industriellen Fertigung zu erweitern.

Dafür entwickeln die Projektpartner eine standardisierte, maschinell gestützte Vorgehensweise bei der Erstellung von GBU für Montagesysteme, die den Funktionsumfang, den Reifegrad und damit die Attraktivität der BaSys-Middleware um die Dimension Sicherheit erweitert. Dabei legen sie das Konzept der Verwaltungsschale (VWS) zugrunde.

Wesentlicher Bestandteil des Lösungsansatzes ist die Bereitstellung eines modellbasierten Werkzeugs zur Ansicht, Bearbeitung und Kombination von GBU, das zur leichteren Nutzung in der Praxis zu den heute marktüblichen Engineering-Werkzeugen kompatibel sein soll. Durch die VWS-gestützte Herangehensweise werden eine sicherere Rekonfiguration des Montagesystems zur Ausführungszeit sowie eine dauerhafte und leicht auffindbare Dokumentation der Sicherheitsaspekte erreicht. Sicherheitstechnisch bedenkliche Maschinen-Konfigurationen können damit frühzeitig bemerkt und abgestellt werden.

Die prototypische Implementierung erfolgt in einem gemeinsamen Demonstrator, um die Projektergebnisse in verschiedenen Wandlungsszenarien zu evaluieren. Im Fokus steht dabei die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, insbesondere die Mensch-Roboter-Kollaboration an einem manuellen Arbeitsplatz in der diskreten Fertigung. Der Demonstrator wird in geeigneter Form zugänglich gemacht. Darüber hinaus ist geplant, Teilmodelle und Spezifikationen open source zur Verfügung zu stellen.

BaSys 4.0
BaSys 4.0 ist die Industrie 4.0 Open-Source Middleware, die seit 2016 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Im Projekt BaSys 4.0 realisiert das DFKI gemeinsam mit 14 Partnern aus Forschung und Industrie zentrale Konzepte und Standards der Plattform Industrie 4.0. Projektziel ist die Entwicklung eines Basissystems für Produktionsanlagen, das die effiziente Wandelbarkeit eines Produktionsprozesses als zentrale Herausforderung von Industrie 4.0 realisiert. Ein weiteres Satellitenprojekt auf der Grundlage der von BaSys 4.0 zur Verfügung gestellten Referenzimplementierung ist BaSynaos. Hier arbeitet das DFKI zusammen mit seinen Projektpartnern an einem einheitlichen Zugriff auf Echtzeitdaten aus der Fertigung, um externe Online-Planungssysteme anzubinden.

Laufzeit: 01.04.2021 – 31.03.2023
Fördergeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Partner: EngRoTec GmbH & Co. KG, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) und Pilz GmbH & Co. KG (assoziiert)
 

Beitrag teilen auf:

Kontakt:

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
German Research Center for Artificial Intelligence