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DFKI an EU-Forschungsprojekt zu humanoider Robotik beteiligt

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Forscher der Universität Süddänemark (Syddansk Universitet, SDU) und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) wollen gemeinsam mit Novo Nordisk, Harting und mehreren anderen Partnern einen menschenähnlichen Roboter entwickeln, der monotone, anstrengende und gesundheitsgefährdende Aufgaben in der Industrie übernehmen kann.

Der Roboter ist ein Prototyp aus einem früheren Forschungsprojekt.© SDU
Der Roboter ist ein Prototyp aus einem früheren Forschungsprojekt

Oskar Palinko ist Dozent für Robotik an der Universität Süddänemark und forscht seit vielen Jahren auf dem Gebiet mobiler Roboter sowie der Interaktion zwischen Robotern und Menschen. Nun wird er die Leitung eines Forschungsprojekts übernehmen, an dem unter anderem der DFKI-Forschungsbereich KI für Assistive Gesundheitstechnologien, Novo Nordisk und das deutsche Unternehmen Harting beteiligt sind und das die Entwicklung eines humanoiden Roboters für industrielle Anwendungen zum Ziel hat.

Dänemark verfügt über eine starke Roboterindustrie und ist weltweit führend, insbesondere im Bereich der kollaborativen Roboter, der sogenannten Cobots. Was jedoch menschenähnliche Roboter angeht, sieht die Lage etwas anders aus. Bislang gab es nur wenige und vereinzelte Versuche mit humanoiden Robotern.

Ein neues Forschungsprojekt an der Universität Süddänemark namens RobOdin soll dem ein Ende setzen. Zusammen mit dem dänischen Unternehmen Novo Nordisk, der deutschen Firma Harting und einer Reihe deutscher Universitäten sowie dem DFKI werden die Forscher von SDU Robotics in den nächsten drei Jahren einen humanoiden Roboter entwickeln und testen, der verschiedene Aufgaben in Industrieunternehmen übernehmen kann, z. B. Montagearbeiten oder einfache Laborarbeiten.

„Gerade diese Vielseitigkeit ist der große Vorteil humanoider Roboter“, erklärt Oskar Palinko. Er ist Dozent an der Universität Süddänemark und leitet das Projekt.

„Ein humanoider Roboter kann von einer Aufgabe zur nächsten wechseln, ohne umgebaut werden zu müssen. Das macht die Technologie weitaus flexibler als herkömmliche Industriemaschinen und zudem auch nachhaltiger. Man stelle sich vor, wie viele Materialien man verbrauchen müsste, wenn man für jede einzelne Aufgabe einen neuen Spezialroboter bauen müsste“, sagt er.

„Durch das menschenähnliche Aussehen fällt es zudem leichter, mit ihm zu interagieren. Die Menschen erwarten, dass etwas mit menschlicher Gestalt auch wie ein Mensch kommunizieren kann. Das ist sehr wichtig, damit sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit den Robotern wohlfühlen.“

Torso mit Armen und Kopf

Die genaue Gestaltung des Roboters im RobOdin-Projekt haben die Forscher noch nicht endgültig festgelegt. Sie wissen jedoch, dass sie sich darauf konzentrieren werden, einen menschenähnlichen Torso mit zwei Armen und einem Kopf zu bauen, während die Beine zunächst durch Räder ersetzt werden.

„Laufende Roboter sind technisch möglich, liegen aber außerhalb des Projektrahmens. Wir werden uns auf das konzentrieren, was die Industrie hier und jetzt benötigt: starke, präzise Arme, die Objekte handhaben können“, sagt Oskar Palinko.

Die Entwicklung eines humanoiden Roboters ist eine technisch komplexe Aufgabe, doch laut dem Forscher hat sich beispielsweise in den Bereichen künstliche Intelligenz und Aktuatoren enorm viel getan, was die menschenähnlichen Roboter allein in den vergangenen fünf Jahren deutlich verbessert hat.

Die Forscher wollen auf bestehenden Technologien und Erfahrungen aus früheren Forschungsprojekten aufbauen, nicht zuletzt auf dem Projekt „Hospibot“, bei dem es um die Entwicklung einer Reihe von Hilfsrobotern für das Gesundheitswesen ging.

„Wir rechnen damit, innerhalb von ein bis zwei Jahren einen funktionsfähigen Prototypen zu haben, der dann in der letzten Phase des Projekts in den Unternehmen getestet werden soll. Die Idee ist, dass dies ein erster Schritt in Richtung humanoider Roboter in Dänemark sein könnte“, sagt Oskar Palinko.

Auf die Frage, ob der humanoide Roboter der dänischen und deutschen Forscher überhaupt mit Robotern, wie beispielsweise dem Optimus-Roboter von Tesla, konkurrieren kann, antwortet der Projektleiter:

„Wir können zwar nicht mit den großen Unternehmen in puncto Ressourcen konkurrieren, aber wir können uns durch spezialisierte Funktionen von ihnen abheben. Unser Roboter verfügt über taktile Hände, fortschrittliche Interaktionsmöglichkeiten und ein menschlicheres Erscheinungsbild als viele der derzeit existierenden humanoiden Roboter. Hier besteht ein großes Verbesserungspotenzial.“

Über das Projekt

  • RobOdin ist eine Kooperation zwischen der Universität Süddänemark, der Universität Kiel, der Universität Lübeck, der Universität Flensburg und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Die Unternehmen Novo Nordisk und Harting sind ebenfalls Partner des Projekts.
  • Ziel ist es, einen humanoiden Roboter-Torso zu entwickeln, also einen Roboter-Oberkörper mit zwei Armen und einem Kopf sowie Rädern anstelle von Beinen, der monotone, anstrengende oder gesundheitsgefährdende Aufgaben in der Industrie übernehmen kann.
  • RobOdin ist ein dreijähriges Projekt. In der ersten Hälfte entwickeln die Forscher einen Prototyp, und in der zweiten Hälfte werden sie diesen in den Partnerunternehmen testen.
  • Das Projekt wird aus dem EU-Interreg-Fonds mit 1,5 Millionen Euro gefördert und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 2,4 Millionen Euro.
     

Kontakt:
Oskar Palinko
Dozent, SDU Robotics
E-Mail: ospa@mmmi.sdu.dk