

In RobOdin arbeiten Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industriepartner aus Norddeutschland und Süddänemark gemeinsam an leistungsfähigen humanoiden Robotern für industrielle und soziale Einsatzkontexte. Ziel sind robuste und praxisnahe Systeme, die gefährliche, monotone oder körperlich belastende Aufgaben übernehmen und dadurch Arbeitsprozesse sicherer und effizienter gestalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf interaktiven und sozialen Fähigkeiten für eine natürliche und situationsgerechte Mensch-Maschine-Interaktion. Die Systeme sollen Menschen erkennen, Sprache verstehen, natürlich kommunizieren und flexibel auf dynamische Situationen reagieren.
Geleitet wird das Projekt von der University of Southern Denmark. Beteiligt sind außerdem das DFKI-Labor Lübeck, die Hochschule Flensburg, die Universität zu Lübeck sowie die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zu den Industrie- und Netzwerkpartnern zählen HARTING, Novo Nordisk, die Diakonie Nord Nord Ost, der Löschzug Gefahrgut Schleswig-Flensburg, navel robotics sowie die University of Twente.
Der Forschungsbereich KI für Assistive Gesundheitstechnologien am DFKI-Labor Lübeck entwickelt in RobOdin ein anpassbares Entscheidungsframework für humanoide Roboter. Das auf großen Sprachmodellen basierende System integriert die Ausgaben unterschiedlicher KI-Module, darunter Objekt- und Emotionserkennung, und bündelt sie in einer gemeinsamen Wissensbasis. Dabei umfasst das Modell nicht nur ein allgemeines Aufgabenverständnis für alltägliche robotische Tätigkeiten, sondern berücksichtigt auch die spezifische Anatomie und Interaktionsmöglichkeiten des humanoiden Roboters. Auf dieser Grundlage verarbeitet es die Informationen und leitet kontextabhängige Handlungsstrategien für den Roboter ab. Standardisierte Schnittstellen und Datenformate gewährleisten eine konsistente Integration und den reibungslosen Austausch zwischen den Komponenten.
So kann der Roboter sein Verhalten flexibel an unterschiedliche Aufgaben und Einsatzumgebungen anpassen und kontinuierlich weiterentwickeln.
„Damit humanoide Roboter künftig sinnvoll mit Menschen zusammenarbeiten können, benötigen sie ein umfassendes Verständnis ihrer Umgebung und der jeweiligen Situation“, sagt Projektleiter Philipp Koch vom DFKI-Labor Lübeck. „Unser Ziel ist es, KI-Modelle, Sensordaten und Sprachverarbeitung so zu verbinden, dass flexible und nachvollziehbare Entscheidungen entstehen.“

Auch die weiteren Projektpartner tragen zentrale technologische Bausteine zum Gesamtsystem bei:
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entwickelt Verfahren zur visuellen Wahrnehmung und sozialen Navigation, mit denen Roboter Gesten, Objekte und dynamische Umgebungen in Echtzeit erkennen und interpretieren können.
Darauf aufbauend erforscht die Universität zu Lübeck kognitive Fähigkeiten wie Situationsverständnis, Aufgabenvorhersage und erklärbare Entscheidungsmodelle für humanoide Roboter, die eine kontextabhängige Interpretation der Umgebung ermöglichen.
Das DFKI-Labor Lübeck entwickelt ein KI-basiertes Entscheidungsframework, das Sensordaten und Informationen unterschiedlicher KI-Module in einer gemeinsamen Wissensbasis zusammenführt und daraus situationsabhängige Handlungsstrategien ableitet.
Die University of Southern Denmark (SDU) realisiert die humanoide Roboterplattform. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den gemeinsam mit Harting entwickelten Sensorhänden, deren speziell für die Finger konzipierte Sensorik feinmotorische Aufgaben ermöglichen soll. Darüber hinaus integriert die SDU die von den Partnern entwickelten KI- und Robotikkomponenten zu einem funktionsfähigen Gesamtsystem.
Die Hochschule Flensburg entwirft eine Simulations- und Trainingsumgebung als digitalen Zwilling, der das Testen und Optimieren der KI-Komponenten vor dem Einsatz auf realer Hardware ermöglicht.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Erprobung des humanoiden Roboters in realitätsnahen Anwendungsszenarien aus Industrie, Medizin und Gefahrenabwehr, darunter Montageprozesse, pharmazeutische Laboranwendungen sowie sicherheitsrelevante Einsatzbereiche.
Gemeinsam mit dem Löschzug Gefahrgut Schleswig-Flensburg werden konkrete Use Cases wie die Erkundung von Gefahrenlagen, die Unterstützung bei Evakuierungen und die Begleitung betroffener Personen untersucht. HARTING erprobt Anwendungen in Montage- und Fertigungsprozessen, während Novo Nordisk eine Laborumgebung für pharmazeutische Abläufe bereitstellt. In Zusammenarbeit mit der Diakonie Nord Nord Ost werden zudem soziale und assistive Einsatzfelder erforscht.
Aufbau eines deutsch‑dänischen Robotik‑Netzwerks
Darüber hinaus verfolgt das Projekt das Ziel, ein langfristiges Netzwerk für Robotik- und KI-Forschung in Süddänemark und Norddeutschland aufzubauen. Durch die Bündelung von Kompetenzen aus Wissenschaft und Industrie sollen neue Synergien entstehen und die regionale Innovationskraft nachhaltig gestärkt werden.
RoBodin wird von der Europäischen Union im Rahmen des Interreg-Programms Deutschland–Dänemark (Interreg 6A) vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2028 mit einem Gesamtbudget von 2.369.227,52 Euro gefördert.
Weitere Informationen:
Link zur Projektwebseite
DFKI-Projektkontakt:
Natascha Koch, M.Sc.
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)
KI für Assistive Gesundheitstechnologien
E-Mail: Natascha.Koch@dfki.de
Tel.: +49 152 044 28821
DFKI-Pressekontakt:
Andrea Fink
Communications & Media Bremen/Lübeck
E-Mail: communications-hb@dfki.de
Tel.: +49 421 178 45 4180
RobOdin-Projektkoordinator:
Oskar Palinko, Associate Professor
University of Southern Denmark
SDU Robotics
E-Mail: ospa@mmmi.sdu.dk
Tel.: +4565508211
