

Dank einer Förderung in Höhe von 48 Millionen Euro aus europäischen und nationalen Finanzierungsquellen hat das Projekt RICAIP (Research and Innovation Centre on Advanced Industrial Production) ein vernetztes Ökosystem industrieller Testumgebungen am CIIRC der Technischen Universität Prag (CTU) und am CEITEC der Technischen Universität Brünn (BUT) geschaffen, das mit den führenden deutschen Forschungszentren DFKI und ZeMA sowie weiteren Partnerinstitutionen in ganz Europa verbunden ist. Die Testumgebungen ermöglichen die systematische Entwicklung und Erprobung neuer Ansätze in den Bereichen industrielle KI, Robotik, dezentrale Fertigung und fortschrittliche Automatisierung unter Bedingungen, die den realen industriellen Betriebsabläufen nahekommen, und stärken damit erheblich die Fähigkeit, Forschungsergebnisse in die industrielle Praxis zu übertragen.
© RICAIP/ CIIRC CTU – Jakub Rozboud„RICAIP ist ein wahrhaft europäisches Projekt. An der Schnittstelle von Bildung, Forschung, Innovation und industrieller Entwicklung haben wir eine technologische Infrastruktur und ein Netzwerk von Teams in der Tschechischen Republik und in Deutschland aufgebaut, das in der Zukunft von Industrie 4.0 eine führende Rolle einnehmen kann. Wir haben die RICAIP-Testumgebungen eingerichtet und sie mit einem Ökosystem der Zusammenarbeit mit vielen Interessengruppen ausgestattet. Gleichzeitig handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess, bei dem ein nachhaltiges Format wie das RICAIP-Zentrum etabliert und die europäische Zusammenarbeit weiter ausgebaut wird.“
© RICAIP/ CIIRC CTU – Jakub RozboudDie Konferenz leitete eine breitere Diskussion darüber ein, wie intelligente physische Systeme, autonome Robotik und KI-gesteuerte Fertigung die Zukunft der europäischen Industrie prägen werden. Zu den Hauptrednern gehörten Prof. Wolfgang Wahlster vom DFKI, einer der Wegbereiter von Industrie 4.0, und Prof. Duncan McFarlane von der Universität Cambridge, ein führender Experte für industrielle Intelligenzsysteme und digitale Zwillinge. Auf dem Programm stand auch Valentina Ivanova, stellvertretende Direktorin für europäische und internationale Angelegenheiten am CEA-List und Koordinatorin der europäischen Initiative AI-MATTERS, die sich auf Test- und Versuchsanlagen für KI in der Fertigung konzentriert. Ihre Beiträge lieferten eine zukunftsorientierte Perspektive auf industrielle KI, Robotik und intelligente physische Systeme im europäischen Kontext.
„Die Interaktion zwischen künstlicher Intelligenz und der physischen Welt ist eine der wichtigsten wissenschaftlichen und technologischen Herausforderungen unserer Zeit und hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Zukunft der Fertigung, der Logistik und anderer Industriezweige“, sagte Prof. Vladimír Mařík, wissenschaftlicher Direktor des CIIRC CTU und Leiter des RICAIP-Projekts. „RICAIP hat ein starkes Umfeld für die Entwicklung des tschechischen KI-Ökosystems geschaffen und maßgeblich zu neuen Initiativen wie der ‚Czech AI Factory‘ beigetragen.“
Laut Prof. Mařík hat die enge Zusammenarbeit zwischen tschechischen Einrichtungen und den deutschen Partnern DFKI und ZeMA eine entscheidende Rolle gespielt. „Dank dieser Zusammenarbeit gelten das CIIRC CTU in Prag und das CEITEC BUT in Brünn nun als angesehene europäische Exzellenzzentren für industrielle KI, an denen auch die Technische Universität Ostrava (VSB) beteiligt ist. Gleichzeitig arbeiten wir intensiv daran, die langfristige Nachhaltigkeit sowohl der Infrastruktur als auch des Forschungspotenzials sicherzustellen, da die europäische Industrie während des laufenden digitalen Wandels starke wissenschaftliche und technologische Unterstützung benötigen wird.“
© RICAIP/ CIIRC CTU – Jakub Rozboud„Die im Rahmen von RICAIP initiierte Zusammenarbeit trägt zur europäischen digitalen Souveränität im Bereich der industriellen künstlichen Intelligenz bei“, sagte Prof. Antonio Krüger, Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). „Durch die enge Zusammenarbeit und die gemeinsame Nutzung modernster Testumgebungen ist ein europäisches Innovationsökosystem entstanden, das es uns ermöglicht, Schlüsseltechnologien im Bereich der industriellen KI eigenständig zu entwickeln, zu skalieren und einzusetzen.“
© RICAIP/ CIIRC CTU – Jakub RozboudDie Bedeutung vernetzter Testumgebungen wurde auch von Vertretern einzelner Standorte hervorgehoben. „Die Zukunft der industriellen KI entsteht nicht in isolierten Labors, sondern in vernetzten Forschungsinfrastrukturen, in denen Technologien, Fachwissen und Experimente länderübergreifend ausgetauscht werden können“, sagte Khansa Rekik von ZeMA. „Im Rahmen von RICAIP ist es uns gelungen, lokal entwickelte Roboter- und KI-Lösungen in umfassendere Szenarien der verteilten Fertigung einzubinden.“
„RICAIP bedeutete einen großen qualitativen Sprung für unseren Testbetrieb“, fügte Dr. Pavel Burget, Leiter des RICAIP-Testbetriebs in Prag, hinzu. „Wir haben eine Umgebung geschaffen, in der Spitzenforschung auf reale industrielle Anwendungen trifft – von autonomer Roboterhandhabung und digitalen Zwillingen bis hin zur KI-gestützten Qualitätsprüfung in extrem kurzen Produktionszyklen.“
„Langfristige internationale Zusammenarbeit und gemeinsame Forschungsinfrastrukturen sind entscheidend für die Entwicklung zukunftsweisender Technologien. Für unser Institut ist die Beteiligung an solchen Initiativen eine Chance, nicht nur die Forschung voranzutreiben, sondern auch deren Ergebnisse in die industrielle Praxis zu übertragen und die europäische Wettbewerbsfähigkeit in den Bereichen KI und fortschrittliche Fertigung zu stärken“, bekräftigte Prof. Radimír Vrba, Direktor des CEITEC BUT in Brünn.
Die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie wurde auch von Vertretern der Industrie hervorgehoben. „Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas erfordert eine viel engere Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie. Initiativen wie die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, dem CIIRC CTU und Infrastrukturen wie RICAIP zeigen deutlich, wie Forschungsergebnisse in echten industriellen Mehrwert umgewandelt werden können. Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz werden in den kommenden zehn Jahren die wichtigsten Triebkräfte für den Wandel in der europäischen Industrie sein. Gleichzeitig brauchen wir ein Umfeld, das Unternehmen dazu motiviert, in Forschung und Innovation zu investieren“, sagte Martin Jahn, Vorstandsmitglied für Vertrieb und Marketing bei Škoda Auto, Vizepräsident des Industrieverbandes der Tschechischen Republik und Präsident von AutoSAP.
„Wenn Europa auf der globalen Bühne wettbewerbsfähig bleiben soll, können wir nicht isoliert innovativ sein“, fügte Eduard Palíšek, Geschäftsführer von Siemens Tschechien, hinzu. „Eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft, wie sie beispielsweise durch das CIIRC CTU und die RICAIP-Testumgebungen verkörpert wird, ermöglicht es uns nicht nur, neue Technologien in realen industriellen Umgebungen zu validieren, sondern auch gemeinsam Herausforderungen wie die Widerstandsfähigkeit der Fertigung und die Cybersicherheit anzugehen. Wahre Wettbewerbsfähigkeit basiert nicht allein auf neuen Technologien, sondern auch auf dem Mut, Know-how zu teilen und die Grenzen dessen zu erweitern, was die Digitalisierung ermöglicht.“
© RICAIP/ CIIRC CTU – Jakub RozboudDie RICAIP Days 2026 markierten somit nicht nur den Abschluss eines erfolgreichen europäischen Projekts, sondern vor allem den Beginn einer neuen Phase der europäischen Zusammenarbeit in den Bereichen industrielle KI, intelligente physische Systeme und Technologietransfer zwischen Forschung und Industrie.
Im Anschluss an die Konferenz fand das „Tech Dating 2026“ statt, ein Tag der offenen Tür am CIIRC CTU für Unternehmen, der in Zusammenarbeit mit EDIH CTU, AI-MATTERS, dem Nationalen Zentrum für Industrie 4.0, CzechInvest und weiteren Partnern organisiert wurde. Er bot praktische Beratungen, Technologiedemonstrationen und die Möglichkeit, konkrete Herausforderungen in den Bereichen KI, Automatisierung und Digitalisierung direkt mit Forschungsteams des CIIRC CTU und der Partnerinstitutionen zu diskutieren.
Communications & Media, DFKI Saarbrücken