

Die fünfte Medien Triennale Südwest stand unter dem Titel „Europa, KI und die Zukunft der Demokratie“. Die Medienanstalt Rheinland-Pfalz, die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und die Landesmedienanstalt Saarland fragten in der Kammgarn Kaiserslautern, wie demokratische Resilienz in Zeiten algorithmischer Black Boxes und KI-generierter Fälschungen gelingen kann. Das DFKI war mit einer Keynote, Beiträgen in zwei Podien, zwei Masterclasses, zwei Live-Demonstrationen und einem Stand vertreten.

Christoph Maerz, Leiter des Kompetenzzentrums Generative AI am DFKI, begann seine Live-Demonstration mit einem Video von sich selbst, das nicht er war – dann folgten Deepfakes von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und Andreas Dengel, Geschäftsführender Direktor des DFKI . Mehr als ein Pressefoto oder wenige Sekunden öffentliches Video brauchte er für seine Fälschungen nicht, dazu frei verfügbare Werkzeuge. Alle gefälschten Personen hatten eingewilligt, auch Hubig, die die Demonstration im Saal verfolgte.
Bei fünf Videos stimmte das Publikum per Smartphone ab, ob sie echt oder gefälscht sind. Bei der Auflösung am Nachmittag lagen im Schnitt 75 Prozent der Stimmen richtig. In einer Metaanalyse über 56 Studien erkannten Menschen Deepfakes im Schnitt zu 55,5 Prozent richtig (Diel et al., 2024); Raten ergibt 50 Prozent. Maerz nannte die Grenzen des Vergleichs gleich mit: Er habe bewusst unperfekt gefälscht, und beim Scrollen im Feed sei niemand so kritisch wie ein vorgewarnter Saal.
Die Erkennungsplattform von Gretchen AI, einem Spin-off des DFKI, dessen Gründer zuvor am Labor Berlin des DFKI forschten, lag in Testläufen vor der Veranstaltung bei drei der fünf Videos richtig. Ausgerechnet das echte Pressestatement der Ministerin hielt sie für gefälscht; eine auf einem eigenen Rechner erzeugte Fälschung ließ sie passieren. Technik helfe, so Maerz, ersetze aber nicht das Urteil.

Adriano Lucieri, Forschender im Forschungsbereich Smarte Daten & Wissensdienste am DFKI, setzte in seiner Masterclass früher an: Die Welt sei zu komplex, als dass Menschen alle Aussagen und Inhalte selbst prüfen könnten. Deshalb müssten sie zunächst dem Absender einer Information vertrauen. Doch zunehmend rücke KI in die Rolle des Absenders. Das betrifft viele: Laut Bitkom nutzt ein Drittel der Menschen in Deutschland KI mindestens einmal pro Woche. Eine Studie der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und der BBC fand bei 45 Prozent der Antworten von KI-Assistenten auf Nachrichtenfragen mindestens ein erhebliches Problem. Vertrauenswürdige KI, so Lucieris Schluss, brauche nicht nur technische Verlässlichkeit, sondern insbesondere vertrauenswürdige Akteure und Institutionen.
Andreas Dengel, hielt die Keynote „Europa braucht nicht digitale Autarkie, sondern digitale Handlungsfähigkeit“. Handlungsfähig sei Europa, wenn es Technologien verstehe, sie verändern könne und Forschung wirksamer in die Anwendung bringe. Dafür brauche es gemeinsam nutzbare Infrastruktur, von Rechenkapazität und Datenräumen bis zu Testfeldern.

„Ich möchte kein Europa, das versucht, technologisch alles alleine zu machen. […] Souveränität bedeutet für mich auch, selbst entscheiden zu können.“
Seit dem 2. August 2026 verlangt die KI-Verordnung der Europäischen Union (EU) unter anderem, Deepfakes zu kennzeichnen; für die maschinenlesbare Markierung bestehender Systeme gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Im Podium mit Stefanie Hubig und Benjamin Schiller, Chief Financial Officer von IPAI, bezweifelte Dengel, dass überall auf dieses Recht reagiert werde. Er schlug deshalb ein Umdenken vor: Statt nur KI-generierte Inhalte zu markieren, solle auch authentisches Material gekennzeichnet werden, vergleichbar mit den Wasserzeichen von Druckern.
Am Nachmittag sprach Sebastian Vollmer, Leiter des Forschungsbereichs Data Science und ihre Anwendungen am DFKI, im Podium zur KI-Kompetenz über das Etikett „KI-generiert“: Je weiter KI im Alltag ankomme, desto eher könne ein solches Label bedeutungslos werden. Früher hätten sich die Großeltern gefragt, woher die Kartoffeln kommen; heute wolle man einfach eine gute Kartoffel.

„Wir müssen nicht alle zu IT-Forensikern werden, die jeden Artikel darauf prüfen, ob er KI-generiert ist. Es geht darum, die Fakten dahinter zu hinterfragen, also um kritisches Denken.“
Die Erkennungsplattform von Gretchen AI und die Forschung des DFKI zum Deepfake-Check der Berliner Abgeordnetenhauswahl sind unten und in der Sitebar verlinkt.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig betonte auf dem Podium die Bedeutung von Regulierung. Die Justiz müsse KI selbst nutzen und zugleich beobachten, wie Menschen KI dort anwenden, wo sie zuständig ist. Man hinke der Entwicklung hinterher, dürfe sich davon aber nicht abhalten lassen, wie die KI-Verordnung der EU zeige. Dengels Vorschlag, authentisches Material zu kennzeichnen, bestärkte sie: Eine internationale Aufsicht über KI und das Netz lasse sich schwer etablieren, und nicht überall bestehe ein Interesse daran.
Fotos: © Lando Michael Lehmann, DFKI
Geschäftsführender Direktor, DFKI Kaiserslautern
Leiter des Kompetenzzentrums Generative AI, DFKI Kaiserslautern
Senior Researcher, DFKI Kaiserslautern
Wissenschaftlicher Redakteur & Referent, DFKI Kaiserslautern
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