

Unsere Gesellschaft reagiert oft erst auf Krisen, wenn diese bereits eingetreten sind. Doch selbst kleine Störungen, wie beispielsweise Lieferprobleme oder fehlende Informationen, können große Auswirkungen haben. Ein rein reaktives Vorgehen reicht deshalb nicht mehr aus. Gefragt sind neue Ansätze, die Vorsorge, Zusammenarbeit und Handlungskompetenz schon vor dem Ernstfall stärken und erlebbar machen.
RESILIA schafft die Grundlage für ein wirksames und koordiniertes Handeln in komplexen Krisen- und Bedrohungslagen, indem das Vorhaben alle relevanten Akteure gemeinsam in realitätsnahen Übungs-, Lern- und Erprobungsumgebungen zusammenführt. Dazu gehören Bürgerinnen und Bürger, Behörden, Organisationen mit Sicherheitsaufgaben wie Feuerwehr, THW und DRK sowie Einheiten der Bundeswehr. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis von Rollen, Fähigkeiten, Handlungsabläufen und gegenseitigen Erwartungen im Krisenfall zu entwickeln.
Im Rahmen von RESILIA entsteht ein neuer Innovationshub mit einem stationären, einem mobilen und einem digitalen Resilienzlabor. Gemeinsam bilden sie eine vernetzte Demonstrations- und Erprobungsumgebung, in der realitätsnahe Krisenszenarien simuliert, Handlungskompetenzen trainiert und die Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung, Einsatzkräften und Entscheidungsträgern praxisnah erprobt werden kann. Bürgerinnen und Bürger können gemeinsam mit Akteuren des Bevölkerungsschutzes Übungen durchführen und so ein besseres Verständnis für Krisenvorsorge und Krisenbewältigung entwickeln.
Das stationäre Labor dient als praxisnahe Test- und Lernumgebung mit interaktiven Formaten wie Escape Games, in denen Teilnehmende kooperativ nachgestellte Szenen wie einen Stromausfall oder Cyberangriff bewältigen müssen. Das Resilienzlabor am Berliner Ostbahnhof wurde am 27. Mai 2026 feierlich durch die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, eröffnet und wird ab 2027 für interessierte Bürgerinnen und Bürger buchbar sein.
Das mobile Labor bringt diese spielerischen Formate flexibel an Schulen oder Veranstaltungen und passt sie an lokale Bedingungen an.
Das digitale Labor bietet virtuelle Plattformen mit KI-gestützten, adaptiven Szenarien für ortsunabhängiges Training und Lernen. „Adaptiv“ bedeutet dabei, dass sich die Simulationsszenarien in Echtzeit an die Entscheidungen und das Verhalten der Teilnehmenden anpassen, um realitätsnahe und individuelle Lernerfahrungen zu ermöglichen.

„RESILIA ermöglicht uns, den Faktor Mensch in vernetzten Laboren interdisziplinär zu untersuchen und im Krisenmanagement simulierbar und erfahrbar zu machen. Mit RESILIA verbinden wir Verteilte KI und Kognitive Sozialsimulation in einem adaptiven digitalen Zwilling, der als interaktives Serious Game Krisenmanagement erfahrbar macht und das Potenzial für eine interdisziplinäre Forschungsinfrastruktur hat“.
Das DFKI übernimmt dabei die Schlüsselrolle bei der Entwicklung des digitalen Zwillings für die Resilienzlabor-Infrastruktur, der die verschiedenen Lern- und Trainingsumgebungen miteinander vernetzt. Mithilfe verteilter KI, kognitiver Sozialsimulation und intelligenter Analysen menschlicher Entscheidungsprozesse werden komplexe Krisensituationen modelliert und in interaktiven Serious Games erfahrbar gemacht.
Durch die wissenschaftlich fundierte Simulation von Krisenszenarien können unterschiedliche Akteure ihr Verhalten, ihre Entscheidungsprozesse und ihre Zusammenarbeit unter realistischen Bedingungen erproben. Die Ergebnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung von Trainingsformaten, Werkzeugen und Handlungsempfehlungen für den Bevölkerungsschutz ein. Damit leistet das DFKI einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung auf zukünftige Krisenlagen.
Die Verbundkoordination liegt bei der Berliner Feuerwehr. Weitere Partner sind das DFKI in Trier, die Akademie der Katastrophenforschungsstelle gGmbH, die Freie Universität Berlin sowie die Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr in Hamburg. Gemeinsam entwickeln sie innovative Lösungen, die Präventionskultur, Risikobewusstsein und die Zusammenarbeit in komplexen Krisenlagen stärken.
RESILIA ist Teil der vom BMFTR initiierten „Innovation Hubs für Sicherheit und Verteidigung“. Diese fördern die Zusammenarbeit zwischen ziviler und militärischer Forschung und schaffen praxisnahe Demonstrations- und Erprobungsumgebungen für innovative Technologien und Konzepte. Mit dem Berliner Resilienzlabor wurde der erste Innovationshub dieser Art eröffnet. Das Vorhaben wird über das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) über den Projektträger VDI/VDE aus dem freigegebenen Sondervermögen gefördert. Die Laufzeit endet am 31. Dezember 2029.
